QMS
Qualitätsmanagement System
Es hat sich eingebürgert, alles und jedes zertifizieren zu lassen, was vormals ohne diese Maßnahmen funktionierte. Was Zertifikate wert sind wissen wir nicht zuletzt durch die Lehman-Brüder, deren Zertifikate gehaltlos aber teuer waren.
Um Dienstleistungen für eine bestimmte kranke Kasse (AOK) erbringen zu dürfen, haben wir ein Handbuch geschrieben und uns von der Apothekerkammer zertifizieren lassen.
Vorwort zum Handbuch
Im Zuge der „Weiterentwicklung“ pharmazeutischer Tätigkeiten in der öffentlichen Apotheke ist seit Jahren ein kontinuierlicher Prozess der Entmündigung und der Bevormundung einerseits und der Untergrabung ökonomischer Voraussetzungen andererseits zu beobachten. Approbation und Berufserfahrung scheinen nicht mehr auszureichen, um eine Apotheke zu leiten und die Existenz der darin lebenden und arbeitenden Menschen zu sichern. Verwaltungsmenschen gehen daher dazu über, scheinbare Lösungen für Probleme zu schaffen, die bislang nicht bestanden haben. Vor dem Hintergrund ständiger Ressourcenverknappung werden ökonomische Verteilungskämpfe geführt, die alle Merkmale eines Krieges ohne Schusswaffen besitzen. Anstatt die Systemfrage zu stellen und vollständig neue Modelle zu entwickeln, werden vor dem Mangelbild lediglich weitere Regelungen von Theoretikern ersonnen, denen sich alle zu beugen haben. Nach dem Sinn wird nicht mehr gefragt.
Eine dieser Regelung ist das sogenannte „Qualitätsmanagement“. Da Institutionen mit Korruptionshintergrund, wie zum Beispiel kranke Kassen über ein politisch gewolltes Nachfragemonopol verfügen, deren Kriterien ebenso auf Korruption beruhen, können sie Schutzgelderpressungen durchführen ohne dafür belangt zu werden. Wenn der Apotheker nicht gewillt ist, sich einer bestimmten Regelung zu unterwerfen, darf er bestimmte Dinge zulasten von kranken Kassen nicht mehr abgeben. Es bedeutet für den Kunden keinen Unterschied, ob er seine Kompressionsstrümpfe oder seine Bettvorlagen von einer „zertifizierten“ oder einer nicht zertifizierten Apotheke bekommt. Warum bestehen aber dann kranke Kassen darauf, das dies zukünftig davon abhängen wird, dass die abgebende Apotheke zertifiziert ist? Es geht, wie immer um Geld. In der Apotheke geht es nur noch am Rande um die Betreuung und Begleitung von kranken Menschen, sondern in erster Linie um Geld. Der Kranke und die Apotheke wurden gleichermaßen als Problemzentrum erkannt, denn beide verursachen Kosten.
Das QM-System verursacht ebenso Kosten. Denn auch hier geht es – wie sollte es anders sein – um Geld. Viele neue Dienstleister generieren damit ein erträgliches Auskommen. Inwiefern sich die Apothekerkammer als Interessenvertreterin ihrer Mitglieder versteht oder als 5. Kolonne der kranken Kassen wird sich zeigen. Wohin das führen wird ebenso.
Jedes Unternehmen ist gut beraten, seine wichtigsten Abläufe gut zu beschreiben. Das ist nicht zuletzt für den Fall wichtig, das jemand ausfällt. Insbesondere dann, wenn dieser Jemand alle wichtigen Dinge zwar in seinem Kopf, aber darüber keine Aufzeichnungen erstellt hat. Auch wir haben von Anbeginn an unsere Prozesse beschrieben, damit sie jeder Mitarbeiter nachlesen kann. Welchen tiefen Sinn es allerdings hat, in eine kleine Apotheke mit 2 pharmazeutischen Mitarbeitern ein umfangreiches QM-System zu implementieren erschließt sich intelligenten und selbstdenkenden Menschen nicht. Wir haben uns daher notgedrungen entschlossen, unsere allgemeinen Betriebsabläufe in ein QMS-Regelwerk zu fassen, wobei wir uns auf die wesentlichen Dinge beschränkt haben, die der Größe unserer Apotheke Rechnung tragen. Schließlich soll dieses QMS für uns und nicht für andere sein. Oder hatten wir da etwas missverstanden? Geht es gar nicht um Qualität und Sicherheit sondern um Kontrolle und Stereotypie?
Letzlich hat nur Bestand was echt und ehrlich ist. Der Rest verschwindet früher oder später.
Twistringen den 01.07.2011
QMS-Allegorie
Es war einmal ein Schäfer, der in einer einsamen Gegend seine Schafe hütete. Plötzlich tauchte in einer grossen Staubwolke ein nagelneuer Cherokee Jeep auf und hielt direkt neben ihm. Der Fahrer des Jeeps, ein junger Mann in Brioni-Anzug,Cerruti-Schuhen, Ray Ban-Sonnenbrille und einer YSL-Krawatte steigt aus und fragt ihn:
"Wenn ich errate, wie viele Schafe Sie haben, bekomme ich dann eins?"
Der Schäfer schaut den jungen Mann an, dann seine friedlich grasenden Schafe, und sagt ruhig:
"In Ordnung."
Der junge Mann parkt den Jeep, verbindet sein Notebook mit dem Smartphone, geht im Internet auf eine NASA-Seite, scannt die Gegend mit Hilfe seines GPS-Satellitennavigationssystems, öffnet eine Datenbank und 60 Excel-Tabellen mit einer Unmenge Formeln und druckt schliesslich einen 150-seitigen Bericht auf seinem Hi-Tech-Minidrucker. Dann dreht er sich zu dem Schäfer um und sagt:
"Sie haben hier exakt 1'586 Schafe."
Der Schäfer sagt: "Das ist richtig, suchen Sie sich ein Schaf aus."
Der junge Mann nimmt ein Schaf und lädt es in den Jeep ein. Der Schäfer schaut ihm zu und fragt:
"Wenn ich Ihren Beruf errate, geben Sie mir dann das Schaf zurück?"
Der junge Mann antwortet: "Klar, warum nicht?"
Der Schäfer sagt: "Sie sind ein Qualitätsmanagement-Berater."
"Das ist richtig, woher wissen Sie das?" will der junge Mann wissen.
"Sehr einfach", sagt der Schäfer.
"Erstens kommen Sie hierher, obwohl Sie niemand gerufen hat. Zweitens wollen Sie ein Schaf als Bezahlung dafür haben, dass Sie mir etwas sagen, was ich ohnehin schon weiss. Drittens haben Sie keine Ahnung von dem, was ich mache. Und jetzt geben Sie mir meinen Hund wieder!"

